Schwanenvater bringt seine Schützlinge ins Winterquartier

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Am Mittwochmorgen an der Rathausschleuse: Knapp 30 Schwäne gehen auf große Reise (Fotos: S. Remesch)

Am Mittwochmorgen an der Rathausschleuse: Knapp 30 Schwäne gehen auf große Reise (Fotos: S. Remesch)

Viele Schaulustige von jung bis alt sind zur Rathausschleuse gekommen, um den jährlichen Umzug der Schwäne in ihr Winterquartier am Mühlenteich zu verfolgen. Dafür ist die Zentralstelle Schwanenwesen mit fünf blauen Booten und einem Polizeiboot angerückt. Die Menschen an der Brüstung verfolgen den Einsatz gespannt, viele rufen und fotografieren. Schließlich erlebt man nicht alle Tage, wie rund 30 Schwäne von Menschenhand gefangen und geknebelt werden.

„Das ist jedes Jahr wieder eine neue Herausforderung“, sagt Olaf Nieß, Leiter der Zentralstelle Schwanenwesen. Und der „Schwanenvater“ freut sich über das Interesse. Zur heutigen Umsiedelung seien nicht nur Hamburger gekommen, sondern Besucher aus ganz Deutschland. „Eine Dame rief mich vorher extra an, sie wollte ihrem Mann das zum Hochzeitstag schenken“, verrät Nieß.

Im Winterquartier können die Tiere besser versorgt werden

Im Winterquartier können die Tiere besser versorgt werden

Der Mühlenteich ist nicht nur das Hauptwinterquartier für die Hamburger Schwäne. Auch Vögel aus Skandinavien und Russland kommen zum Überwintern hier hin. Allerdings erst, wenn die Temperaturen deutlich gesunken sind. „Wenn man die Schwäne am Himmel sieht, dann weiß man, dass es am Tag darauf richtig kalt wird“, sagt Olaf Nieß.

Hanseatische Staatsschwäne

Die seit Jahrhunderten bestehende Tradition von Winterquartieren hat auch einen praktischen Sinn: „Dann hat man alle Tiere zentral an einem Ort und muss nicht unnötig viele Einsätze fahren, wenn einzelne Schwäne sich verlaufen oder im Eis feststecken“, sagt Olaf Nieß. Die „verbeamteten hanseatischen Staatsschwäne“, wie er sie nennt, gehören seit jeher zum Inventar Hamburgs.

Um jeden Fluchtversuch zu verhindern, werden den Tieren die Flügel und Beine zusammengebunden

Um jeden Fluchtversuch zu verhindern, werden den Tieren die Flügel und Beine zusammengebunden

20 Schwäne befinden sich bereits im Winterquartier im Mühlenteich. Ein anderer Teil ist aufgrund der kalten Temperaturen in die Kanäle geflüchtet. „Es sind etwa 16 Tiere, die müssen wir in den nächsten Tagen einfangen“, erklärt Peter Hansen vom Bezirksamt Hamburg-Nord. „Das ist nicht immer leicht, denn wenn die jung und vital sind, dann springen die herum oder laufen die Böschung hoch.“ Aus diesem Grund sei man froh, wenn man bereits einen Großteil der Schwäne, wie heute, auf der Außenalster einfangen könne.

„Man kann es sich kaum vorstellen, aber die Leute hier sind sehr mit den Tieren verbunden.“ Dennoch gibt es offenbar böswillige Menschen, die ihren Frust an den Tieren auslassen. „Es kommt immer wieder vor, dass mit Pfeil und Bogen auf die Tiere gezielt wird, dass Steine oder sogar Gehwegplatten geworfen werden“, erzählt Olaf Nieß.

Der "Schwanenvater" Olaf Nieß von der Zentralstelle Schwanenwesen kennt seine Tiere

Der "Schwanenvater" Olaf Nieß von der Zentralstelle Schwanenwesen kennt seine Tiere

Schwäne mit Gehwegplatten beworfen

Bei der Mehrzahl der etwa 1000 Rettungseinsätze werden jedoch verunglückte Wasserwildtiere geborgen. „Die können mitten im Flug abstürzen, weil sie irgendwo gegengeflogen sind, und landen dann unsanft im Straßenverkehr.“ Tückisch sind nasse Fluglandebahnen, die Schwäne häufig mit Wasserflächen verwechseln. Besonders schmerzhafte Abschürfungen an den Beinen sind die Folge. „Wir versorgen die Tiere dann in unserer Station, peppeln sie auf und wildern sie dann wieder aus.“

Ab Mitte April werden die Schwäne von ihrem Winterquartier dann wieder auf die Außenalster gebracht.


Kim Schwarz und Steve Remesch




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