Johanneum in Winterhude: Dekolletés unerwünscht

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Wie tief darf der Ausschnitt bei einer Schülerin sein? (Bild: ddp)

Wie tief darf der Ausschnitt bei einer Schülerin sein? (Bild: ddp)

Ziehen sich Hamburgs Schüler zu freizügig an? „Einige Schülerinnen und Schüler haben einen Bekleidungsstil, der für ungute Gefühle auf Lehrer- und Schülerseite sorgt“, sagt Inken Hose, Schulleiterin am Gymnasium Johanneum in Winterhude. Diese Freizügigkeit habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Am Johanneum wird nun überlegt, einen Absatz zur Bekleidung in die Hausordnung zu übernehmen.


„Wir wollen gemeinsam darüber diskutieren, wofür Kleidung steht – nicht erst im Berufsleben, sondern bereits in der Schule“, sagt Schulleiterin Hose. Es gehe nicht um ein Verbot, sondern darum, Schüler zu sensibilisieren, eine Art der Bekleidung zu wählen, die dem Ort und Anlass angemessen ist. Ob tiefe Dekolletés, Hotpants mit Netzstrümpfen bei den Mädchen oder herunterhängende Jeans mit Blick auf die Boxershorts bei den Jungs angemessen sind, wird gerade in der Schulkonferenz unter Schülern, Lehrern und Eltern besprochen.


In einer Vorlage für die Schulkonferenz am vergangenen Montag hieß es: „Jeder Schüler hat eine der Institution Schule und der Atmosphäre des Lernens und Lehrens angemessene Kleidung zu tragen. Wenn ein Schüler hiergegen verstößt, hat die unterrichtende Lehrkraft die Möglichkeit, ihn mit der Bitte, sich umzuziehen, nach Hause zu schicken.“ Mützen, Caps und Ähnliches müssen während des Unterrichts schon seit Längerem abgelegt werden. „Das klappt gut“, sagt Hose.


Schule sei kein Ort, an dem man seine Freiheiten ausleben könne. Vielleicht sei den Mädchen auch gar nicht bewusst, welche sexuellen Reize sie mit ihrem Kleidungsstil senden. Wie sieht es an anderen Schulen aus? An der katholischen Sankt-Ansgar-Schule in Borgfelde gebe es keinen Absatz in der Hausordnung, der die Kleidung regelt, aber bauchfreie Tops seien nicht gern gesehen. Schulleiter Friedrich R. Stolze: „Wenn eine Dame zu freizügig gekleidet ist, sprechen wir sie direkt an. Manchmal geht ihnen dann erst ihre Wirkung auf die Männerwelt auf, und sie erröten.“


Am Gymnasium Bondenwald in Niendorf ist das gar kein Thema. „Wenn einzelne Schülerinnen mal einen zu kurzen Rock tragen, sprechen wir sie direkt an“, sagt Schulleiterin Renate Just. Und es sind nicht immer nur die Schüler, die sich unangemessen anziehen: „Wir hatten vor Jahren einen Lehrer in kurzer Hose. Mit dem habe ich auch darüber gesprochen, dass Schule dafür nicht der richtige Ort ist.“


Das persönliche Gespräch zwischen Lehrern und Schülern sei der beste Weg, das Thema anzugehen, sagt Sabine Lewerenz-Kollemann, Vorsitzende der Elternkammer. „Das sollte nicht von oben geregelt werden.“ Die Etikettenberaterin Meike Slaby-Sandte schlägt eine einheitliche Schulkleidung vor. „Mit einer Schulkleidung, die ja auch sportlich sein kann, geht man diesem Problem aus dem Weg.“


Geneviève Wood

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