Hello Handmade – Ran an die Handarbeiten

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Jeder Aussteller auf der Messe "Hello Handmade" hatte ein eigenes Namens-Fähnchen an seinem Stand (Bilder: S. Hüners)

Jeder Aussteller auf der Messe "Hello Handmade" hatte ein eigenes Namens-Fähnchen an seinem Stand (Bilder: S. Hüners)

Handverlesen sind die Aussteller, die bei „Hello Handmade auf Kampnagel ihre selbst gefertigten Produkte zeigen. Die Diplom-Designerin Sophie Pester hat den Markt für Handgemachtes ins Leben gerufen. Als sie aus beruflichen Gründen vor etwa eineinhalb Jahren von Leipzig nach Hamburg zog, hatte die 29-Jährige die Idee. „Ich hatte ein eigenes Design-Label namens „Jodii“ und kannte die Probleme mit dem Vertrieb, den viele Kleinstproduzenten haben. Auf Kunsthandwerkermärkten fühlte ich mich zum Beispiel nie wirklich wohl. Das Publikum war zu alt und auch sonst passte es nicht“, sagt die Diplom-Designerin. Und dann hätte sie gesagt: „Jetzt oder nie. In Hamburg muss es klappen mit einem eigenen Handmade-Markt. Es gibt keine bessere Stadt dafür!“



Veranstalterin Sophie Pester (29) "thront" über ihrer Messe für Handgemachtes auf Kampnagel

Veranstalterin Sophie Pester (29) "thront" über ihrer Messe für Handgemachtes auf Kampnagel

Die Vorbereitungen waren dann eine „One-Woman-Show“, erzählt Sophie Pester mit einem Lächeln. Kampnagel als Ortswahl war für die Neuhamburgerin eher Zufall, sagt sie. Sie hätte in der Mittagspause einfach oft hier gegessen, so Sophie Pester. Aber es sei eine tolle Adresse in Hamburg und auch das Publikum gefalle ihr gut. „Schön gemischt, nicht so einseitig szenig“, urteilt sie. Die Aussteller hat sie alle selber ausgesucht. Rund 300 Bewerbungen wären bei ihr für die 100 Standplätze eingegangen. Viele davon kannte sie schon über ihr Netzwerk, erzählt die 29-jährige Chemnitzerin.



Besucher stehen um 12 Uhr mittags Schlange für "Helo Handmade"

Besucher stehen um 12 Uhr mittags Schlange für "Helo Handmade"

Das Interesse für Handgemachtes ist groß, das kann man an der langen Schlange erkennen, die sich an diesem sonnigen Sonnabendmittag vor der Kampnagel-Halle bildet. Sophie Pester sieht die Entwicklung in diesem Bereich als Trend der letzten Jahre. Je anonymer unsere Gesellschaft wird, je mehr Massenprodukte hergestellt werden, desto stärker sehne man sich im Gegenzug nach Individualität, meint die blonde Frau. „Immer mehr Menschen wollen so etwas wie diese handgemachten Sachen haben oder auch selber herstellen“, sagt sie.

Das Selbermachen sei gar nicht so schwer. „Über YouTube kann man das alles erlernen“, meint die Diplom-Designerin. Gestartet sei der Trend zum Handgefertigten in New York -Brooklyn. Die erste größere Internet-Plattform für Verkauf und Wissensaustausch rund um Do-it-Yourself hieß Etsy, die deutsche Antwort darauf war der Marktplatz DaWanda, so Sophie Pester. Mittlerweile sei Etsy auch auf dem florierenden deutschen Markt vertreten und böte hier unter anderem Workshops zum Selbermachen an.

Das Internet sieht Sophie Pester als Basis für den jüngsten Aufschwung im Do-it-Yourself. Das Verkaufen ohne Ladengeschäft sei so möglich geworden und man hätte einfach Zugang zur ganzen Welt. Die Gestaltung des aktuellen Ausstellungsplakates hatte die rührige Diplom-Designerin über das Internet ausgeschrieben. Da seien sogar Bewerbungen aus dem Kongo bei ihr eingegangen, erzählt sie. „Über Blogs entstehen einfach gute Kontakte, auch international. Darüber ist die Szene ziemlich gut vernetzt“, sagt Sophie Pester.



Katrin Eckerstorfer aus Salzburg häkelt Schmuck, Bikinis und Mützen. Sie findet, Deutschland ist immer einen Schritt voraus bei Trends, so auch beim Do-it-Yourself

Katrin Eckerstorfer aus Salzburg häkelt Schmuck, Bikinis und Mützen. Sie findet, Deutschland ist immer einen Schritt voraus in solchen Trends wie diesem hier

Ausstellerin Katrin Eckerstorfer kommt aus Salzburg hierher. “Mit ein bisschen abgespeckter Ausstattung”, erzählt sie, “es musste ja schließlich alles im Flieger transportiert werden”. Seit eineinhalb Jahren vertreibt die 30-jährige hauptberufliche Lehrerin für Sport und Englisch unter ihrem Label „Häkelstorfer“ selbstgehäkelten Schmuck (!), Mützen und Bikinis. „Bei uns wurde vor dem Fernseher immer gehandarbeitet“, erzählt sie. „Vor zwei bis drei Jahren habe ich das dann für mich wiederentdeckt“. Wenn ihr Label einschlägt, möchte die Salzburgerin ihren Job als Lehrerin auf die Hälfte reduzieren. Sie könne sich gut vorstellen, in der Nachbarschaft, von Behinderten oder älteren Menschen fertigen zu lassen. Massenfertigung käme für sie allerdings nicht in Frage.



Stefan Mosebach (l.) ist von der Grafik zu den selbstgenähten Taschen gekommen. Letztlich mache er vielerlei, sagt er. Mit ihm im Bild: Annabelle Dorn und Moris Landsberger

Stefan Mosebach (l.) ist von der Grafik zu den selbstgenähten Taschen gekommen. Letztlich mache er vielerlei, sagt er. Mit ihm im Bild: Annabelle Dorn und Moris Landsberger

Grafik-Designer Stefan Mosebach hätte mit der Serienproduktion seiner selbstgenähten Taschen kein Problem. „Wenn es eine schöne Arbeit von mir ist, ist es toll, wenn die in Serie geht“, findet er. Der Prozess des Selbstmachens geht mir ja dabei nicht verloren. Entscheidend sei für ihn authentische Arbeit. „Ich habe einen Kreativbrunnen in mir“, sagt der 28-Jährige, der müsse raus. Das Nähen hat er sich selber beigebracht und dann Grafik-Design mit Kleidung verknüpft.



Das Porzellanfräulein Wiebke Lüdemann (l.) sowie Stephanie Möller. Die individuelle Keramikglasur erhält man in Winterhude an der Preystraße

Das Porzellanfräulein Wiebke Lüdemann (l.) sowie Stephanie Möller. Die individuelle Keramikglasur erhält man in Winterhude an der Preystraße

Porzellanfräulein“ Wiebke Lüdemann glasiert Keramik mit handgemalten Motiven ihrer Kunden. „Ich wollte nicht mehr ins Büro gehen“, erzählt die gelernte Hotelfachfrau, Kulturwissenschaftlerin und PR-Frau. Das Glasieren im Ofen hat sie in drei Tagen in München gelernt, wo es schon einen solchen Laden gab. Für sie ist die Arbeit in ihrer Werkstatt in Winterhude, die sie selbst als „Raum für Tüdeltanten“ sieht, ein Fulltime-Job geworden. Von dem kann sie gut leben. Der Renner bei ihren Kunden: Das Glasieren von Kinderhänden und Füßen auf Keramikgegenstände.



Romina (31) und Hubert (27) besuchen den Markt zur Inspiration. Hubert schnitzt als Hobby Gegenstände aus Kokosnüssen oder Avocados

Romina (31) und Hubert (27) besuchen den Markt zur Inspiration. Hubert schnitzt als Hobby Gegenstände aus Kokosnüssen oder Avocados

Fast jeder hier bei „Hello Handmade“ scheint kreativ zu sein – egal, ob Aussteller oder Besucher. Ausstellungsbesucherin Romina hat einen DaWanda-Shop für Lederschmuck namens „–Oink–“. Sie kommt mit ihrem Freund Hubert hierher, um sich umzusehen und inspirieren zu lassen. Den Markt hier findet sie “wirklich schön“. Man sieht an allen Ständen, dass die Sachen richtig gut verarbeitet und mit Liebe gemacht worden sind”, sagt die 31-Jährige.



Anne Meyer vom Strickclub im "Lokal. e.V." zeigt Produktdesignerin Lena das Armbandstricken

Anne Meyer vom Strickclub im "Lokal. e.V." zeigt Produktdesignerin Lena das Armbandstricken

Produktdesignerin Lena sitzt gerade beim Strickclub von Anne Meyer und versucht, das System des Armbandstrickens zu ergründen. Sie arbeitet selber im Bereich Markenentwickung. Hier sucht sie Inspiration – Was machen andere und wie? „Vielleicht, sagt sie, komme ich mal wieder stärker zur Handfertigung zurück. Beim Armbandstricken braucht sie noch etwas Geduld. „Eine Reihe Luftmaschen und dann eine Reihe feste“, erklärt Anne Meyer von „Lokal e.V.” geduldig.

Ein wenig wie handgestrickt wirken auch die beruflichen Biografien der Menschen hier. Die meisten stehen auf mehreren Beinen, auch Veranstalterin Sophie Pester. Neben der Organsisation von Hello Handmade und ihrem (schlafenden) Label Jodii hat sie noch einen Halbtagsjob als Basis. „Aber ich arbeite daran, von Hello Handmade zu leben“, sagt sie. „Ich liebe, was ich tue. Und Hello Handmade ist mein ‚Baby’“. Daher die gute Nachricht für alle Do-it-Yourselfer: Hello Handmade geht wohl auch in die dritte Runde, „das steht zu tausend Prozent fest“, erklärt die Self-made-Frau.

Susanne Hüners


Hier geht es zur Webseite von Hello Handmade.

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