Heidberg: Baugenehmigung erteilt – Anwohner reichen Widerspruch ein

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Durch diesen Zugang wird der zu bebauende Hinterhof erreicht (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Durch diesen Zugang wird der zu bebauende Hinterhof erreicht (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Der Eigentümer möchte mehr Wohnungen bauen, die Anwohner fürchten die Folgen. Streitpunkt ist die Fläche des Innenhofs der Gebäude 21 bis 23a am Heidberg in Winterhude. Der Eigentümer Dr. Michael Börner-Kleindienst will 14 neue Mietwohnungen auf dem rund 60 mal 30 Meter großen Innenhof schaffen. Sein Bauvorhaben wurde am 15. September von dem Bezirksamt Nord genehmigt. Nun haben die Mieter und Eigentümer der an den Innenhof angrenzenden Häuser Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt.

Die knapp 300 Anwohner, die von diesem Bebauungsprojekt betroffen sind, fühlen sich übergangen. „Wir haben das Gefühl von den Behörden ignoriert zu werden“, sagen Annelie und Andreas Kirchner, die in einem der angrenzenden Gebäude wohnen.

Die Anwohner haben zahlreiche Bedenken bezüglich des Bauvorhabens. Sie befürchten unter anderem, dass durch das geplante dreigeschossige Gebäude die Sonneneinstrahlung minimiert und der Baumbestand gefährdet wird. Fünf Bäume auf dem Grundstück müssen definitiv weichen, der Bauherr und Eigentümer Michael Börner-Kleindienst hat für diese bereits eine Fällgenehmigung erreicht.


Mit Transparenten protestieren die Anwohner gegen die Bebauung

Mit Transparenten protestieren die Anwohner gegen die Bebauung

Die Nachbarn nehmen an, dass die vom Gartenbauamt vorgeschlagenen vier Meter Abstand zu den Bäumen der angrenzenden Grundstücke nicht eingehalten werden. „Ist dies der Fall, könnte es sein, dass die Bäume ihre Wurzeln nicht ausbreiten oder eventuell absterben könnten“, sagt das Ehepaar Kirchner.

Das würde bedeuten, dass die Bäume zwar nicht gefällt aber trotzdem zu Grunde gehen würden. Die Nachbarn können nicht nachvollziehen, warum das Bezirksamt Nord noch keine eigenen Gutachten eines vereidigten Baum-Sachverständigen eingeholt hat, sondern sich auf die Ergebnisse des vom Bauherrn engagierten Fachmannes verlässt.

„Wir glauben, wenn es ein neutrales Gutachten über den Baumbestand gäbe, könnte die Baugenehmigung in der jetzigen Form nicht bestehen bleiben“, sagen die Kirchners. Deshalb wollen sie jetzt einen eigenen Gutachter engagieren, der den Sachverhalt prüfen soll. Wie groß die Wahrscheinlichkeit für eine Rücknahme der Genehmigung ist, lässt sich noch nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass sich nur 1,9 Prozent der 2010 beim Petitionsauschuss der Bürgerschaft eingegangenen Beschwerden gegen Bauvorhaben richteten.

Lärmbelästigung ist ein weiteres Problem: „Die Bauarbeiten werden zwei Jahre dauern, das bedeutet viel Lärm für uns, dem wir nicht ausgesetzt werden wollen“, sagen die Kirchners. Zusätzlich bestehe die Gefahr, während den Bauarbeiten auf Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg zu stoßen. „Das stellt eine direkte Gefährdung uns alle dar“, sagt Annelie Kirchner.


Auf dieser Grünfläche soll ein Teil des Gebäudes entstehen

Auf dieser Grünfläche soll ein Teil des Gebäudes entstehen

Die 300 Betroffenen haben nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der gegen die Baugenehmigung Widerspruch eingelegt hat. Außerdem haben sie eine Petition mit 130 Unterschriften sowohl bei dem Bezirksamt, als auch bei dem Petitionsauschuss der Bürgerschaft eingereicht. „Wir finden es sehr schade, dass wir von keiner der Einrichtungen eine befriedigende Antwort mit konkreten Lösungsvorschlägen bekommen haben, wie zum Besipiel die Erstellung neutraler Gutachten“, erklärt Andreas Kirchner.

Die Petition ist am 8. September beim Bezirksamt Nord eingegangen und wurde an den Bauausschuss weitergeleitet. „Es wird vom Rechtsamt zu prüfen sein, ob mit der vorliegenden Beschwerde ein formelles Widerspruchsverfahren in Gang gesetzt werden soll, oder ob es sich um ein Protestschreiben handelt, das keine rechtlichen Folgen nach sich zieht“, sagt Katja Glahn, Sprecherin des Bezirksamtes Nord.

Immer wieder haben die Bürger den mangelnden Dialog zu dem Bauherrn kritisiert. Daraufhin hatte dieser die Mieter aus den Gebäuden 21 bis 21a zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Die anderen Anwohner wurden nicht mit einbezogen.

Michael Börner-Kleindienst hat Verständnis für die Beschwerden der Nachbarn: „Ich kann den Unmut der Menschen durchaus verstehen und nachvollziehen. Andererseits finde ich, dass sie nicht im Interesse der Allgemeinheit handeln. Wir brauchen in Hamburg neue Wohnungen. Steigende Mieten können wir nur verhindern, wenn wir neuen Wohnraum schaffen“, erklärt der Bauherr.

Auch Bedenken, dass angrenzende Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, möchte der Eigentümer den Anwohnern nehmen. „Wir werden keinen einzigen Baum auf anderen Grundstücken fällen. Wir wollen sie schützen“, führt er aus.

Bei der Informationsveranstaltung hätten manche der Mieter seiner Gebäude auch positiv reagiert. „Die Reaktionen waren sehr gemischt. Natürlich hat keiner gesagt ´das finde ich super’ aber viele haben großes Verständnis dafür geäußert, dass neuer Wohnraum geschaffen werden muss“, erzählt er.

Nach der Erteilung der Baugenehmigung hat der Bauherr zwei Jahre Zeit, mit der Bebauung des Grundstücks zu beginnen, erklärt Peter Hansen, Sprecher des Bezirksamtes Nord. Wann das geschehen soll, steht jedoch noch nicht fest. Erst einmal muss jedoch entschieden werden, ob der Widerspruch gegen die Baugenehmigung Erfolg hat.

Antonia Eser-Ruperti

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7 Kommentare zu Heidberg: Baugenehmigung erteilt – Anwohner reichen Widerspruch ein

  1. Umwelt-Andy sagt:

    Die Baugenehmigung wurde vom Bezirksamt Nord rechtswidrig erteilt und verstößt in eklatanter Weise gegen das Rücksichtnahmegebot und gegen das zulässige Maß der baulichen Nutzung. Notwendige Grenzabstände werden ignoriert, Vorschriften der Baumschutzverordnung werden erheblich verletzt und Bäume auf fremden Nachbargrundstücken so beschädigt, dass diese keine Überlebenschance haben. Wann begreift das Bezirksamt Nord, dass dieses Grundstück für einen derartigen Bau ungeeignet ist?

  2. Renate M. sagt:

    Hunderte Anwohner und eine Bau-Behörde, die entschieden zu allem schweigt, notfalls dreist-unwahre Antworten gibt und kritischen Mitarbeitern Maulkörbe austeilt. Wo sind wir – in Russland? Demokratie geht anders.

  3. Umwelt-Andy sagt:

    Wann begreifen der Eigentümer Dr. Börner-Kleindienst und das Bezirksamt Nord mit
    der Bauprüfabteilung und dem Bezirksamtleiter an der Spitze endlich, dass die Baugenehmigung rechtswidrig erteilt wurde und definitiv kein Platz ist auf dem Innenhof für das geplante Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage?
    Wir wollen keine Behörden, die nach Gutsherrenart entscheiden!

  4. Alina Kasemeki sagt:

    Bauherr Dr. Börner gibt vor, alle betroffenen Bäume erhalten zu wollen. Er könnte jedoch – mit viel Geld – benachbarte Eigentümer dazu bringen, ihre Bäume entgegen den Interessen der eigenen Mieter selbst fällen zu lassen. Oder, wenn man keine Abstände einhält, was die Behörde offenbar deckt, man wird die Bäume auch auf ganz natürliche Weise los, indem man Äste und Wurzeln so stark beschneidet, dass die Bäume von selbst sterben. Hier wird offenbar gelogen, verschwiegen, getrickst und sehr wahrscheinlich auch geschmiert, um letztlich einen Innenhof bebauen zu können, der bei Einhaltung bestehender Gesetze eigentlich nicht bebaubar wäre.

  5. S. D. L. sagt:

    Liebe Leser des Abendblattes!Mit Schrecken musste ich in der Berichterstattung vom 23 Nov. von Antonia Eser -Ruperti lesen ,das unser gemeinsamer Vermieter Hr. Dr. Börner -Kleindienst in Ihrem Interview mit Ihm tatsächlich die Frechheit besaß zu sagen ,das einige unserer Mitmieter und Mitstreiter durchaus auch positiv auf sein menschenunwürdiges und menschenverachtendes Bauvorhaben in unserem gemeinsam so geliebten Innenhof reagierten! Was für eine Lüge!Es gab nicht eine,ein Mieter ,die,der dafür war.Dafür gibt es 13 Zeugen ,die ebenfalls anwesend waren.

  6. Dr. Geilfuss sagt:

    Liebe Frau Katja Glahn,

    ergänzend zu Ihren Ausführungen erlaube ich mir anzumerken, dass inzwischen beim Petitionsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft drei Eingaben zur Verhinderung des Bauvorhabens vorliegen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Jürgen Geilfuß , Heidberg 23 a , Winterhude

  7. eine der Betroffenen sagt:

    Die Aussage von Herrn Börner ist gelogen, keiner der Anwohner hat sich auf der Info-Veranstaltung positiv geäussert!!!! Die Mieter sind alle stinksauer!!

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