Humboldtstraße: Grundschüler raus, Stadtteilschule rein?

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Grundschulkinder müssen wahrscheinlich in Zukunft auf das Gebäude an der Humboldtstraße verzichten (Symbolbild: pa)

Grundschulkinder müssen wahrscheinlich in Zukunft auf das Gebäude an der Humboldtstraße verzichten (Symbolbild: pa)

Schulkonflikt an der Humboldtstraße 89: Zur Zeit wird das Gebäude von der „Grundschule auf der Uhlenhorst“ genutzt. Doch wahrscheinlich müssen die jungen Schüler schon bald aus den Räumen ausziehen. Die SPD plant dort eine neue Stadtteilschule. Die Meinungen der Eltern der betroffenen Grundschüler sind gespalten. Manche befürworten den Plan, andere betrachten einen Umzug als großen Verlust.

„Wir wollen den Kindern die Möglichkeit bieten, in ihrem Viertel auf eine weiterführende Schule zu gehen. Auch für ältere Schüler sollte der Schulweg nicht zu lang sein“, sagt Sven Tode, Bürgerschaftsabgeordneter der SPD Hamburg-Nord. Das Gebäude an der Humboldtstraße 89 böte für eine Stadtteilschule ideale Bedingungen, da es bereits in der Vergangenheit als Grund- Haupt- und Realschule genutzt wurde, so Tode. Die benötigten Räume für Fächer wie Physik oder Biologie seien bereits vorhanden.

Außerdem kann die neue Stadtteilschule an der Humboldtstraße in den ersten Jahren an das Heinrich-Hertz Gymnasium angegliedert werden. „Dieses Gymnasium ist sehr erfolgreich und hat ein gutes pädagogisches Konzept. Schon in der Vergangenheit hat das Heinrich-Hertz Gymnasium dabei geholfen, die Helmuth Hübener Stadtteilschule erfolgreich zu etablieren“, sagt Sven Tode. In fünf bis sechs Jahren soll die Schule dann ohne die Hilfe des Heinrich-Hertz Gymnasium weitergeführt werden. Die neue Schule in Winterhude könnte also schnell eröffnet werden. „Irgendwann werden Kinder auch älter und dann brauchen sie einen Ort, wo sie einen Realabschluss oder ein Abitur machen können“, fügt Tode hinzu. Auch die angrenzenden Viertel würden von der neuen Stadtteilschule profitieren.

Die Grundschule auf der Uhlenhorst nutzt zur Zeit acht Räume sowie die Aula im Gebäude an der Humboldtstraße. Diese Zusatznutzung war aus den mittlerweile hinfälligen Planungen zur Primarschule entstanden. Eigentlicher Sitz der Schule ist am Winterhuder Weg, die Räume alleine reichen aber nicht aus. „Unsere Schule bietet verschiedene Begabungsangebote und einen Nachmittagshort für 200 Kinder an. Ohne das Gebäude an der Humboldtstraße wäre das alles nicht möglich. Was soll dann mit den Kindern passieren? Am Winterhuder Weg ist nicht genug Platz für alle“, sagt Gerd Basler, Schulleiter der Grundschule. Für 180 seiner Schüler würde der Wegfall der Räume an der Humboldtstraße bedeuten, ohne Unterrichtsräume dazustehen.

Nach Schulentwicklungsplan soll die Grundschule außerdem von einer vierzügigen (vier Klassen in jedem Jahrgang) zu einer dreizügigen Schule umgestaltet werden. „Wenn das passiert, können wir viele Schüler nicht annehmen, dabei haben wir jetzt schon mehr Anmeldungen als Plätze“, sagt Basler. Einen konkreten Vorschlag für Ausweichmöglichkeiten für die nahe Zukunft habe es noch nicht gegeben. „Auf dem Schulhof soll ein Anbau entstehen, aber auch das würde mindestens zwei bis drei Jahre dauern und ist nicht so leicht umzusetzen. Jetzt sollen erst einmal Container auf dem Schulhof als Klassenzimmer dienen, damit bin ich überhaupt nicht einverstanden“, fügt er hinzu.


Sven Tode unterstützt die Pläne für die neue Stadtteilschule (Bild: S. Tode)

Sven Tode unterstützt die Pläne für die neue Stadtteilschule (Bild: S. Tode)

Eine schwierige Lage. Auch die Eltern der Grundschüler sind sich bei der Frage um die Stadtteilschule nicht einig. Schulleiter Basler hatte eine Umfrage unter den Eltern gemacht. „Die Mehrzahl der Eltern würde schon gerne die Räume an der Humboldtstraße behalten“, sagt Basler. SPD-Politiker Tode hält hingegen nicht viel von dem Ergebnis der Befragung. „Die Daten waren nicht anonymisiert, das ist nicht zulässig. Außerdem haben nur 180 Eltern der 360 Schüler überhaupt auf das Schreiben reagiert. Und von denen waren nicht alle gegen die Stadtteilschule“, sagt Tode.

Erste Lösungsansätze für den zukünftigen Verbleib der Grundschüler gibt es. So könnte die Grundschule an der Humboldtstraße 30 weitere Schüler von der Grundschule auf der Uhlenhorst aufnehmen. Eine weitere Langfristlösung wäre die Schule Imstedt. Nach dem Auszug des Denkmalschutzamtes steht das Gebäude Imstedt 18-20 leer. In den nächsten zwei Jahren soll es von der Grundschule Forsmannstraße zwischengenutzt werden, da diese Schule grundsaniert werden muss. Sobald die Arbeiten an der Forsmannstraße abgeschlossen sind, könnten die Räume der Schule Imstedt für die Grundschule auf der Uhlenhorst zur Verfügung stehen.

Am ersten Februar 2012 wird die Entscheidung über die Stadtteilschule fallen. SPD-Politiker Tode geht davon aus, dass dem Plan nichts mehr im Weg steht. „Die Schaffung der Stadtteilschule wäre eine Entlastung für umliegende weiterführende Schulen und auch die Grundschulen in der Umgebung befürworten das Projekt“, sagt Sven Tode. Eröffnung der neuen Stadtteilschule an der Humboldtstraße 89 wäre dann bereits im August 2012.

Antonia Eser-Ruperti

Lesen Sie auch: Schule Rellinger Straße: Container sollen vorraussichtlich zehn Jahre bleiben

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2 Kommentare zu Humboldtstraße: Grundschüler raus, Stadtteilschule rein?

  1. Birgit Rothenberg sagt:

    Das Fell des Bären wird schon fleißig verteilt! Lehrer der Heinrich-Hertz-Schule besichtigen die Räume der Humboldtstr. 89 und auf Informationsveranstaltungen der Schule wird schon mit dem neuen Standort geworben. Auch soll es schon eine Kooperation mit dem Ernst-Deutsch-Theater für eine Profilklasse „darstellendes Spiel“ geben. Eine Entscheidung scheint längst gefallen.
    Politisch eine absolute Katastrophe.
    Wie das schulische Leben an der Schule auf der Uhlenhorst weitergehen soll hat bisher jedoch niemand bedacht. Mindestens 8 Container werden gebraucht, nebenbei Umbauten, kein Schulhof, eine Doppelbestzung in der Turnhalle, gewachsene pädagogische Konzepte werden über den Haufen geworfen.
    Zuerst kommt der Beschluss, ob es machbar ist wird später geprüft.
    Arme Grundschulkinder!

  2. Marina Meyer sagt:

    Ich finde es unfassbar, wie die Politik sich hier auf Kosten der Grundschüler einen Orden an die Brust heften möchte.
    Das eine der besten Grundschulen Hamburgs (das ist belegt) einfach mal eben zusammengeschrumpft wird, dass wunderbare individualisierte Lernpläne eingedampft werden müssen, dass sich nur mit Doppelbelegung in Schule, Hort und Turnhalle leben lässt, das wird überhaupt nicht erwähnt. Außerdem wenn bei einer normalen Wahlbeteiligung von ca. 50 % mittlerweile 219 mündige Eltern sich gegen einen SEPL aussprechen, dann kann ich nicht sehen, wo sich da eine Elternschaft uneinig ist. Es gab immerhin nur 10 Gegenstimmen. Das ist für mich eine Mehrheit, außerdem ist auch die Lehrerschaft geschlossen gegen den vorliegenden SEPL .
    Und bei allem Durcheinander sind nicht einmal Alternativen geprüft worden. Wir – die Mehrzahl der Eltern sind wirklich entsetzt – und rufen am 16.12.2011 zu einer Lichterkette im Viertel auf. Um 18 Uhr treffen wir uns an der Humboldtstraße 89 und werden zu unserem Stammgebäude im Winterhuder Weg eine Lichterkette aufbauen, um auf die Notwendigkeit der Beibehaltung unserer zwei Standorte hinzuweisen.

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