Andrea Lüdke: Das Fährhaus ist ihr neues Revier

{lang: 'de'}

Andrea Lüdke, die mit dem "Großstadtrevier" bekannt wurde, spielt zurzeit in dem Stück "Shoppen" in der Komödie Winterhuder Fährhaus (Bild: K. Bodig)

Andrea Lüdke, die mit dem "Großstadtrevier" bekannt wurde, spielt zurzeit in dem Stück "Shoppen" in der Komödie Winterhuder Fährhaus (Bild: K. Bodig)

Mit dem Image ist das so eine Sache. Ist es erst mal da, wird man es so schnell nicht wieder los. Ein bisschen wie Kaugummi an den Schuhen. Wenn man Pierre Brice heißt und der Winnetou an einem klebt, ist das eine Sache. Bei David Hasselhoff und seiner Badehose eine andere. Und bei Andrea Lüdke? Die, die heute noch immer auf ihre Rolle im „Großstadtrevier“ angesprochen wird, obwohl das schon 15 Jahre her ist? Nun, da ist es eine ganz besondere Sache. „Ich sag immer: besser ein Image als kein Image“, meint Andrea Lüdke alias Polizeimeisterin Tanja König. Aber vergessen wir mal das „Großstadtrevier“ und jene Rolle, mit der Andrea Lüdke bekannt wurde. Schließlich hat diese Frau mehr zu bieten als eine Polizeiuniform.

Das merkt man schon auf den ersten Blick, denn die Andrea Lüdke von heute hat mit der von damals nur noch wenig gemeinsam. Sie trägt High Heels statt Dienstwaffe und eine coole Frisur statt einfach langer Haare. Auch wenn sie dafür extra nach Berlin fahren musste. „Als ich mir nach dem ,Großstadtrevier‘ die Haare abschneiden und blondieren lassen wollte, hat sich der Friseur in Hamburg strikt geweigert“, sagt Andrea Lüdke – nein, erzählt Andrea Lüdke.

Denn sie kann erzählen wie kaum eine andere. Von ihrer Kindheit in einem kleinen 300-Seelen-Dorf nahe der deutsch-deutschen Grenze im ehemaligen Sperrgebiet. Von ihrer Jugend im Internat sowie ihrer Zeit am Theater der Altmark in Stendal. Und von ihrer Flucht in den Westen, damals im Juli 1989, kurz vorm Mauerfall.

Es ist der Stoff, aus dem Drehbücher sind. Mit Sätzen wie diesen: „Ich wollte mir nicht in den Rücken schießen lassen. Deswegen hab ich eine Tante im Westen erfunden und ein Besuchsvisum erschwindelt.“ Es sind Sätze, wie sie nur jemand sagen kann, der sie selbst erlebt hat. Nicht jemand, der sie auswendig gelernt hat, für irgendeine Rolle. Sie sind vom Leben vorgegeben.

Das Leben schreibt angeblich ja die besten Geschichten und im Fall von Andrea Lüdke fragt man sich doch immer wieder, warum man so wenig darüber weiß. Darüber, wie sie nach dem Auffanglager nach Hamburg kommt. Arbeitslos. Obdachlos. Hoffnungslos. Bis sie zufällig an einem Filmset vorbeigeht, aus Neugier stehen bleibt – und angesprochen und engagiert wird. Es folgen Rollen am Deutschen Schauspielhaus, an den Hamburger Kammerspielen, der Staatsoper – und im „Großstadtrevier“.

Womit wir wieder beim Image wären. Einem Image, das noch älter ist als die grünen Polizeiuniformen, die man damals in Hamburg noch trug. Einem Image, das längst überholt ist. Denn Andrea Lüdke hat seitdem mehr gemacht, als sich jetzt in ein paar Sätze quetschen lässt. Sie spielte in zahlreichen TV- und Kinoproduktionen, war Werbegesicht für Mode- und Kosmetikmarken und kehrte immer wieder ans Theater zurück – so wie jetzt in dem Stück „Shoppen“ am Winterhuder Fährhaus. Sie mag den direkten Kontakt mit dem Publikum, freut sich aber vor allem, als Schauspielerin so viele Möglichkeiten zu haben.

Und dennoch: „Ich definiere mich nicht ausschließlich über meinen Beruf“, sagt Andrea Lüdke. Sie sei zudem Ehefrau, Mutter und eine „gute Köchin“. Am liebsten hätte sie noch einen Hund, aber dafür reicht die Zeit wirklich nicht mehr. „Dann lieber noch ein Kind“, sagt sie und lacht. „Wenn ich Angelina Jolie wäre und ein Kindermädchen hätte, würde ich auch noch mehr Kinder haben.“

Noch mehr Kinder – das heißt: noch mehr Kinder als die 18-jährige Lilly Marlen, Milena,15, die schon bei „Bernd das Brot“ sowie „Die wilden Hühner“ mitspielte, und Nesthäkchen Lotte Bella Marie, 6. Noch mehr Kinder, die ihre Klamotten tragen und ihre Schminksachen benutzen. „Ich wäre auch gerne mein Kind.“ Die 48-Jährige sagt, was sie denkt. Und das ist so ehrlich und authentisch, wie man es heute kaum noch kennt. Noch ein Beispiel? „Meine Devise lautet: Glück ist eine Fähigkeit. Jeder Mensch, auch jeder Vollidiot, hat irgendwann irgendwie mal Glück, aber du musst auch Ohren haben zu hören, denn manchmal klopft es eben sehr leise, aber es klopft schon, ganz bestimmt.“

Es sind Sätze, wie sie nur eine Andrea Lüdke sagen kann. Von Polizeimeisterin Tanja König hätte man das nie gehört. So viel also zum Image…



{lang: 'de'}
Be Sociable, Share!
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.