2. Hamburger Glücks-Symposium: Wie Kinder Glück in der Schule lernen können

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Podiumsdiskussion über Glück und Zufriedenheit mit Dipl.-Psych. Michael Thiel, Musikwissenschaftler Peter Krause, Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth und Autor und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen (v.l.n.r.) (Bilder: S. Simic)

Podiumsdiskussion über Glück und Zufriedenheit mit Dipl.-Psych. Michael Thiel, Musikwissenschaftler Peter Krause, Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth und Autor und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen (v.l.n.r.) (Bilder: S. Simic)

Seit anderthalb Jahren setzt sich die Hamburger Stiftung Kinderjahre für die Einführung des Schulfaches „Glück“ in den deutschen Schulen ein: Grundschulkinder sollen in praktisch orientierten Unterrichtsstunden erlernen, wie sie zufrieden und glücklich sein können. Beim zweiten Hamburger Glücks-Symposium am Montagabend im Winterhuder Fährhaus zogen die Verantwortlichen eine erste positive Bilanz des Projektes „Schulfach Glück“. Dr. Eckart von Hirschhausen, Kabarettist und Autor des Bestsellers „Glück kommt selten allein“, und Diplompsychologe Michael Thiel plädierten an dem Abend ebenfalls für die Einführung eines Glücks-Unterrichts in den Schulen.


Hannelore Lay, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderjahre, die sich für sozial benachteiligte Kinder einsetzt: „Kinder lernen im Unterrichtsfach Glück positive Wahrnehmungen und Wertschätzungen“

Hannelore Lay, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderjahre, die sich für sozial benachteiligte Kinder einsetzt: „Kinder lernen im Unterrichtsfach Glück positive Wahrnehmungen und Wertschätzungen“

Seit dem ersten Glücks-Symposium im März 2010, bei dem das Konzept vorgestellt wurde, hat die Stiftung Kinderjahre das Fach Glück in drei Grundschulen in Wilhelmsburg, Dulsberg und Barmbek eingeführt. Sieben weitere Schulen seien zurzeit an dem Konzept interessiert. „Wir konnten nach anderthalb Jahren bessere Lernerfolge bei den Kindern feststellen und ihnen positive Lebenserfahrungen durch das Fach vermitteln“, erklärt Hannelore Lay, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderjahre, die sich für sozial benachteiligte Kinder einsetzt. „Kinder, die krisengeprägte Biographien mitbringen, lernen im Unterrichtsfach Glück positive Wahrnehmungen und Wertschätzungen. Das bringt sie auf einen guten Weg“, sagt Hannelore Lay.


Kinder- und Jugendpsychologe Michael Thiel: „70 Prozent der Eltern haben zu wenig Zeit für ihre Kinder“

Kinder- und Jugendpsychologe Michael Thiel: „70 Prozent der Eltern haben zu wenig Zeit für ihre Kinder“

Am Glücks-Symposium am Montagabend nahmen rund 300 Lehrer, Erzieher aber auch interessierte Eltern teil, die mehr über Glück und die Möglichkeit, es Kindern in der Schule beizubringen, erfahren wollten. Das Konzept „Schulfach Glück“ stammt ursprünglich von Ernst Fritz-Schubert, Oberstudiendirektor aus Heidelberg. Es geht darum, den Kindern durch praktische Übungen, sei es durch Tanz, Gesang, Musik oder Theater aber auch durch Sport und richtige Ernährung, anhand von Kinder-Kochkurse zum Beispiel, das Glücklichsein beizubringen. „Dieser Unterricht sollte für alle Kinder zugänglich sein, nicht nur für die sozial benachteiligten Kinder“, meint Hannelore Lay.


Eckart von Hirschhausen unterstützt die Initiative „Schulfach Glück“ von der Stiftung Kinderjahre seit anderthalb Jahren

Eckart von Hirschhausen unterstützt die Initiative „Schulfach Glück“ von der Stiftung Kinderjahre seit anderthalb Jahren

„Zurzeit wird das Fach Glück in anderthalb Doppelstunden pro Woche unterrichtet und kann in den Ganztagsschulen ganz normal in den Lehrplan integriert werden“, erklärt Lay. Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Fach ist ihr durch die Wahrnehmung der oftmals negativen Einstellung der Kinder, die von der Stiftung betreut werden, gekommen. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass es das Gefühl von Glücklichsein überhaupt gibt.“


Doch wie definiert man dieses Gefühl? Glück ist bekanntlich subjektiv – jeder empfindet und definiert es auf eine andere Art und Weise. Bei Kindern gibt es aber laut dem Kinder- und Jugendpsychologen Michael Thiel drei Faktoren, die das Glück bestimmen: „Jedes Kind kommt mit den Anlagen zum Glücklichsein auf die Welt, das ist biologisch schon fast vorprogrammiert. Es hat die Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen, zu den Eltern zum Beispiel, es erkundet seine Umwelt und möchte sich ständig weiterentwickeln.“ Wie kann ein Kind denn überhaupt unglücklich werden? „Laut einer Studie des Familienministeriums beklagen 70 Prozent der Eltern, zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben. Das ist für mich fast der Ursprung des Elends“, meint Thiel. In seinen Augen mache die Einrichtung eines Schulfaches Glück demnach absolut Sinn.

„Ein guter Glücksunterricht besteht erstmal aus einem Lehrer, der selbst zufrieden mit seinem Leben ist – denn Kinder lernen am Modell“, erklärt der Psychologe. Der Lehrer oder die Lehrerin sollte auf die Kinder eingehen und ihre Talente fördern. „Im Unterrichtsfach Glück sollen die Kinder lernen, wie sie Freundschaften schließen und wie sie andere Menschen glücklich machen können. Sie sollen auch erkennen, was sie einzigartig macht im Vergleich zu anderen Kindern.“ Nicht zuletzt ginge es auch darum, den Kindern Tätigkeiten näher zu bringen, in denen sie vollkommen aufgehen und die später eventuell zu einem Hobby führen können, so Thiel.


Gesunde Ernährung macht glücklich: Im Unterrichtsfach Glück an der Schule Lämmersieth lernen die Kinder, wie man Apfelsaft herstellt

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Ob der Unterricht bei den Kindern wirkt, können Erzieher und Lehrer anhand des Glückstagebuches, das jedes Kind führen muss, beurteilen. „Darin schreiben die Kinder auf, wann sie sich besonders freuen“, erklärt Lay. Dadurch entsteht eine Dokumentation der Fortschritte, die sonst schwer prüfbar sind. Allerdings kann sich die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderjahre auch durchaus Prüfungen im Fach Glück vorstellen. „Eines der Themen ist zum Beispiel Natur erforschen, das passt in den Biologieunterricht und kann ganz normal benotet werden.“


Eckhart von Hirschhausen pochte seinerseits darauf, dass wir uns Unglück in unserer Gesellschaft nicht mehr leisten können und es demnach wichtig sei, den Kindern das Glücklichsein schon in der Schule beizubringen. „Die teuersten Volkskrankheiten wie Depressionen und Suchterkrankungen boomen zurzeit und haben einen großen Einfluss auf die Arbeitswelt“, meint er. Das Schulfach Glück solle den Kindern helfen, die Bereiche Verhalten, Bewegung, Entspannung und Ernährung besser kennenzulernen, so von Hirschhausen.

„Kinder müssen herausgefordert und nicht überfordert werden“, sagt der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth von der Universität Bremen, der die Wirkung von Glücksgefühlen im Gehirn erforscht. Schule sei nicht nur Wissensvermittlung sondern auch Persönlichkeitsbildung, und diese würde in dem aktuellen Schulsystem nicht genügend gefördert werden, meint Roth.


Sanja Simic

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