
Podiumsdiskussion über Glück und Zufriedenheit mit Dipl.-Psych. Michael Thiel, Musikwissenschaftler Peter Krause, Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth und Autor und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen (v.l.n.r.) (Bilder: S. Simic)

Hannelore Lay, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderjahre, die sich für sozial benachteiligte Kinder einsetzt: „Kinder lernen im Unterrichtsfach Glück positive Wahrnehmungen und Wertschätzungen“

Kinder- und Jugendpsychologe Michael Thiel: „70 Prozent der Eltern haben zu wenig Zeit für ihre Kinder“

Eckart von Hirschhausen unterstützt die Initiative „Schulfach Glück“ von der Stiftung Kinderjahre seit anderthalb Jahren
Doch wie definiert man dieses Gefühl? Glück ist bekanntlich subjektiv – jeder empfindet und definiert es auf eine andere Art und Weise. Bei Kindern gibt es aber laut dem Kinder- und Jugendpsychologen Michael Thiel drei Faktoren, die das Glück bestimmen: „Jedes Kind kommt mit den Anlagen zum Glücklichsein auf die Welt, das ist biologisch schon fast vorprogrammiert. Es hat die Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen, zu den Eltern zum Beispiel, es erkundet seine Umwelt und möchte sich ständig weiterentwickeln.“ Wie kann ein Kind denn überhaupt unglücklich werden? „Laut einer Studie des Familienministeriums beklagen 70 Prozent der Eltern, zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben. Das ist für mich fast der Ursprung des Elends“, meint Thiel. In seinen Augen mache die Einrichtung eines Schulfaches Glück demnach absolut Sinn.
„Ein guter Glücksunterricht besteht erstmal aus einem Lehrer, der selbst zufrieden mit seinem Leben ist – denn Kinder lernen am Modell“, erklärt der Psychologe. Der Lehrer oder die Lehrerin sollte auf die Kinder eingehen und ihre Talente fördern. „Im Unterrichtsfach Glück sollen die Kinder lernen, wie sie Freundschaften schließen und wie sie andere Menschen glücklich machen können. Sie sollen auch erkennen, was sie einzigartig macht im Vergleich zu anderen Kindern.“ Nicht zuletzt ginge es auch darum, den Kindern Tätigkeiten näher zu bringen, in denen sie vollkommen aufgehen und die später eventuell zu einem Hobby führen können, so Thiel.

Gesunde Ernährung macht glücklich: Im Unterrichtsfach Glück an der Schule Lämmersieth lernen die Kinder, wie man Apfelsaft herstellt
Eckhart von Hirschhausen pochte seinerseits darauf, dass wir uns Unglück in unserer Gesellschaft nicht mehr leisten können und es demnach wichtig sei, den Kindern das Glücklichsein schon in der Schule beizubringen. „Die teuersten Volkskrankheiten wie Depressionen und Suchterkrankungen boomen zurzeit und haben einen großen Einfluss auf die Arbeitswelt“, meint er. Das Schulfach Glück solle den Kindern helfen, die Bereiche Verhalten, Bewegung, Entspannung und Ernährung besser kennenzulernen, so von Hirschhausen.
„Kinder müssen herausgefordert und nicht überfordert werden“, sagt der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth von der Universität Bremen, der die Wirkung von Glücksgefühlen im Gehirn erforscht. Schule sei nicht nur Wissensvermittlung sondern auch Persönlichkeitsbildung, und diese würde in dem aktuellen Schulsystem nicht genügend gefördert werden, meint Roth.
Sanja Simic


